ProLife Europe

ProLife Europe (PLE) ist ein 2019 gegründeter Verein mit Sitz in der Nähe von Ulm, genauer gesagt im kleinen schwäbischen Ort Weißenhorn.

Bei dieser Anti-Choice-Gruppierung handelt sich um eine Art Franchise, mit der versucht wird, europäische Abtreibungsgegner*innen unter einen Hut zu bekommen. Mit „ProLife Europe“ wollen die Initiator*innen den Eindruck erwecken, es gäbe eine große paneuropäische Bewegung, die sich gegen Schwangerschaftsabbruch einsetzt. Man sei die „Pro Life Generation“ heißt es großmäulig auf der Webseite. Und tatsächlich gibt es zig ProLife Europe-„Gruppen“ in ganz Europa, nach eigenen Angaben 30 an der Zahl und das in sieben Ländern. Auf den ersten Blick muss das Pro-Choice-Aktivist*innen aufhorchen lassen! Blickt man jedoch genauer hin, zeigt sich, dass das ganze Projekt mehr Schein als Sein ist.

Zunächst braucht es – laut Webseite des Vereins – nur drei Personen und schwupps ist man eine ProLife Europe „Gruppe“ und bekommt vom „Mutterschiff“ Material wie Merch, Logos für die Sozialen Netzwerke und ähnliches. Wenn man sich nun noch anschaut, wer dort so aktiv ist, dann verfestigt sich der Eindruck, dass PLE schlicht ein weiteres Label im Vereinswirrwarr der hiesigen „Lebensschutz“-Szene ist.

Laut Impressum ist Manuela Steiner Vorständin des Vereins. Neben dieser Position bei PLE ist Steiner Sprecherin beim „Marsch fürs Leben“ in Wien, Chefkoordinatorin der „Pro Life Tour“, einer Art Sommerprogramm für den Anti-Choice-Nachwuchs, und Regionalleiterin bei der österreichischen „Jugend für das Leben“.

Weitere Vorstandsmitglieder sind Miriam Nikoleiski, Florian Schirmer und Thomas Brüderl. Alle drei sind einschlägig bekannte Abtreibungsgegner*innen. Nikoleiski nimmt an Mahnwachen der Initiative „40 Tage für das Leben“ vor dem Medicare Zentrum in München Freiham teil, ist beim 30-jährigen Jubiläum der „Christdemokraten für das Leben“ (CDL) in München organisatorisch beteiligt und läuft im März 2021 beim ersten Münchner „Marsch fürs Leben“, der vom Verein „Stimme der Stillen“ organisiert wird, in der ersten Reihe am Transparent. Verbindungsstudent Schirmer ist laut der Feministischen Informations- und Dokumentationsarbeit (fida) großer Fan der antifeministischen Kampagne #fairändern. Wer mehr darüber erfahren möchte, die*der wird hier fündig. Brüderl ist ebenfalls ein bekanntes Gesicht der Szene, er ist Vorsitzender der österreichischen „Jugend für das Leben“ (mehr zum deutschen Pendant findet Ihr hier) und trat bei der Auftaktkundgebung anlässlich der „Pro Life Tour“ 2018 in München äußerst aggressiv gegenüber Gegendemonstrant*innen auf. Weitere assoziierte Personen, welche den Franchise-Eindruck untermauern, sehen wir auf diesem Bild.

Quelle: Screenshot Webseite „ProLife Europe“

Von links: Mathias Blum (Sundays for Life), Josef Büchsenmeister (Jugend für das Leben Österreich), Manuela Steiner (s.o.), Bethany Janzen (US-amerikanische Abtreibungsgegnerin und Mitbegründerin von PLE), Benedikt Oyen (CDL), Thomas Brüderl (s.o.), Miriam Nikoleiski (s.o.), eine uns unbekannte Person und Florian Schirmer (s.o.).

In München sind seit März 2020 ebenfalls mindestens drei Menschen ( 😉 ) aktiv, die sich das Label „ProLife Europe“ gegeben haben. Sie haben – wie vermutlich alle Gruppen – einen Instagram-Account. Dort mobilisieren sie auf den ersten „Marsch fürs Leben“ in München und nehmen nach eigenen Angaben auch daran teil, malen mit Kreide Anti-Choice-Propaganda am Hotel Bayerischen Hof auf den Boden und verkleben den von der Zentrale zur Verfügung gestellten „Merch“ in der Münchner Fußgänger*innenzone (wo er natürlich direkt wieder entfernt wurde).